"Visa approved. Ihr Visum wird sich in 3-4 Tagen in Ihrem Briefkasten befinden."
Als ich diese Worte im US-Konsulat hörte, konnte ich nicht mehr aufhören zu grinsen doch wie sich herausstellen sollte, lief alles völlig anders als geplant.
Doch beginnen wir von Vorne. Am 22. September, genau 2 Wochen vor meinen Flugtermin nach New York, hatte ich meinen Termin für das Interview um mein J1-Visum zu erhalten. Ich war furchtbar nervös und hatte Angst, irgendetwas wichtiges vergessen zu haben. Ein Termin für die Beantragung des Visums kostet je nach $US-Kurs ca 128€. Ein zweiter Termin wäre nicht nur unglaublich teuer, sondern könnte ich mir auch zeitlich nicht leisten. Doch im Endeffekt war meine Nervösität unbegründet. Man durfte zwar keine Taschen, kein Handy oder ähnliches mitnehmen aber alle waren sehr nett und es ging unglaublich schnell. Ich stellte mich ungefähr eine halbe stunde vor meinem Termin in die Schlange und wurde genau pünktlich ins Gebäude gelassen. In der Schlange habe ich sogar ein Mädchen kennengelernt, das mit der gleichen Organisation wie ich, allerdings einen Monat später, in die USA einreist. Im Konsulat wurde ich wie man es beim Flughafen gewohnt ist, durchgecheckt, musste Fingerabdrücke abgeben und das "Interview" war lächerlich kurz und einfach. Nach ca 20 Minuten war ich wieder draußen und unglaublich glücklich, dass alles geklappt hat. Zumindest scheinbar...
5 Tage später, am Freitag, war im Briefkasten immer noch nichts von meinem Visum zu sehen. Ich bekam etwas Panik und fragte nach wie es bei dem Mädchen, dass ich beim Konsulat getroffen habe, aussieht. Als sie antwortete, dass sie es schon seit Mittwoch hat, wurde meine Panik noch ein kleinen bisschen größer.
Am Samstag hatte ich keine Zeit mir weitere Gedanken, denn alle meine Freunde und meine Familie kamen um mit mir eine kleine Abschiedsparty zu feiern. Wir haben gegrillt, die letzen Sonnenstrahlen des Sommers genossen, Abends ein Lagerfeuer gemacht und sogar meinen größten Wunsch erfüllt: Im Dunkeln verstecken spielen! Es war ein toller Tag, auch oder weil, es sich nicht wie ein Abschied angefühlt hat.
Als am Montag immer noch nichts von meinem Visum zu sehen war, rief ich in der Botschaft an um nachzufragen. Der erste Anruf von den ungefähr 498572364 Folgenden. Die nette Frau am Telefon sagte, dass es normal ist, dass es manchmal erst nach einer Woche ankommt und ich müsste mich gedulden. Hm.
Ein Tag später. Noch 6 Tage bis zum Abflug. Diesmal eine andere Frau am Apparat. Doch genauso wie die erste, konnte auch sie mir keine genaue Auskunft geben, doch sie bestätigte, dass das ziemlich merkwürdig ist. Sie leitete das Problem per E-Mail an die Hauptzentrale weiter und versprach mir, dass sie sich so schnell wie möglich mit weiteren Information bei mir melden würden. Nun war es Mittwoch. Keine E-Mail. Keine weiteren Informationen. Keine Hilfe bei weiteren Anrufen. Warten. Warten. Warten.
Der letze Tag, an dem ich mein Visum bekommen könnte, wäre Morgen, also Donnerstag. Am Freitag war Tag der Deutschen Einheit und am Wochenende arbeitet die Botschaft nicht.
Mein Visum wurde noch nicht losgeschickt. Meine Hoffnungen, dass ich es noch vor Montag bekommen würde, sanken auf null. Ich war lange nicht mehr so deprimiert gewesen.
Als ich am Mittwochabend zum 93284754319237 Mal meine E-Mail Postfach kontrollierte, machte mein Herz einen Sprung: Ein E-Mail vom Konsulat. In der E-Mail wurde mir mitgeteilt, wie ich mir schon gedacht habe, dass sie mein Visum noch nicht drucken konnten und, dass sie es VIELLEICHT morgen machen könnten (was bedeuten würde, es würde vor Montag nicht ankommen). Doch der 2. Teil der Mail sagte: Sie können es vielleicht persönlich in der Botschaft in Berlin abholen. Ich wusste nicht wie ich darauf reagieren sollte. Ich war furchbar sauer, dass die Botschaft es vermasselt hat mir das Visum rechtzeitig zu schicken, voller Hoffnung, weil ich es vielleicht Morgen abholen könnte, voller Bangen, weil ich keine Ahnung hatte was in diesem Fall vielleicht heißt und zum Teufel keine Ahnung hatte wie ich so spontan nach Berlin kommen kann. Und was für ein Wunder: Als ich in der Botschaft anrief, konnte mir wieder keiner Infos geben ob ich nun Morgen nach Berlin fahren soll oder nicht. So ein Zugticket nach Berlin kostet von Hamburg aus hin und zurück so spontan mal eben 150€, was ich nicht einfach rumliegen habe. Mir wurde gesagt, dass ich eine E-Mail mit weiteren Infos bekomme, doch was das bedeutet, wusste ich ja schon.
Morgen nach Berlin zu fahren war meine letzte Möglichkeit. Und wie der Zufall das wollte, kam mein Bruder nachhause und berichtete, dass er sich für die nächsten Tage frei genommen hatte. Er bot sofort an mich morgen früh mit seinem Auto nach Berlin zu fahren (♥). Um 4:30 Uhr Morgens klingelte der Wecker und eine halbe Stunde später saßen wir im Auto Richtung Beeerliiin.
Um halb 9 kamen wir an.
Sofort rief ich in der Botschaft an, mir konnten keine Infos gegeben werden (das kenn wir ja schon) und es hieß wieder warten. Um 10 Uhr bekam ich eine E-Mail. Ich wurde freundlicherweise darauf hingewiesen, dass man sein Visum sowieso erst um 14:30 Uhr abholen kann. Das hätte man nicht früher sagen können??!! Wir hatten also ein paar Stunden totzuschlagen und nutzen die Zeit um uns die schönsten Plätze in Berlin anzuschauen. Da ich immernoch in Ungewissheit lebte, konnte ich dies allerdings erstmal nicht genießen. Um 11 kam dann endlich der erlösende Anruf: Frau Wrobel, Sie können Ihr Visum abholen. Ich hab vor Glück geschrien.
Außer den Angestellten, den Wachmännern und mir befand sich keine weitere Person in der Botschaft, was es fast schon gruselig machte. Um 14:50 stieg ich grinsend in das Auto meines Bruders und ich konnte mich mit meinem Visum in der Hand seit Tagen wieder einmal richtig Entspannen...
...Bis der nächste Stress wieder losgeht :D
Bis bald, K.
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